B-A-C-H

Beschreibung

Es ist mir eine große Ehre, dieses Programm mit Ihnen zu teilen. Das B-A-C-H-Projekt liegt mir sehr am Herzen, da ich der endgültigen Version viel Zeit und viel Nachdenken gewidmet habe. Eine eingehende Analyse des Tiefgangs dieser drei Meisterwerke – das Wohltemperierte Klavier von J.S Bach, Präludien und Fugen op. 87 von Schostakowitsch und die Études von Chopin – hat mich dazu gebracht, die Bedeutung dieser Kompositionen sowie deren große musikalische Auswirkungen auf die Kunst des Klavierspielens noch mehr zu schätzen und zu achten. Einen Zusammenhang zwischen diesen drei Klavierzyklen zu finden, war sowohl ein komplizierter als auch ein erfüllender Prozess, da ich gezwungen war, diese Kompositionen aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Mein Konzept beruht auf der Vorstellung, wie Werke aus verschiedenen Jahrhunderten mit verschiedenen Kompositionsstilen eine Verbindung zueinander finden und neue und einzigartige Gedanken auslösen können. Auf diese Art und Weise „kommunizieren“ die drei Komponisten miteinander und beeinflussen ihre eigene künstlerische Fantasie. Auf Grund einer gründlichen Musikanalyse habe ich versucht, eine Auswahl von Stücken zu treffen, die nicht nur musikalisch aufeinander reagieren, sondern auch Teile eines größeren Konzepts darstellen, der Struktur B-A-C-H. So bemühe ich mich, einen neuen Aspekt für die Kunst des Klavierspielens zu liefern, wo in der Vergangenheit geschriebene Kompositionen in der Gegenwart aufeinander reagieren, und durch den Interpreten ein neues Kunstwerk geschaffen wird.

Für mich war der Ausgangspunkt meine große Wertschätzung für Schostakowitsch und seine Musik. In meinen Studienjahren an der Akademie für Musik und Darstellende Kunst in Wien habe ich viel Zeit mit der Bewunderung seines Oeuvres verbracht. Ich fühlte mich gedrängt, Bücher zu lesen, die die Geschichte seines schwierigen Lebens und die Jahre der Unterdrückung schilderten. Seine innere Kraft, trotz Verurteilung durch die Partei zu komponieren und das Verlangte nicht zu liefern, war für mich eine Quelle der Inspiration, die die Stärke seines Genies offenbarte. Am meisten haben mich seine Streichquartette und seine Symphonien beeindruckt. Der Klang hatte die größte Wirkung; ein Verzweiflungs- und Hilfeschrei (Präludium in h-Moll); oder in anderen Augenblicken einfach ein Ton, der den Traum von einem besseren Leben symbolisiert (Präludium in C-Dur). So wurden auch seine Präludien und Fugen op. 87 geschaffen. Er musste sie im Verborgenen komponieren. Schostakowitsch fing 1950 mit der Arbeit an ihnen an, als er als Jurymitglied zum J.S. Bach – Klavierwettbewerb in Leipzig eingeladen wurde. Seine Präludien und Fugen beruhen auf der Struktur von Bachs Wohltemperiertem Klavier in allen Dur- und Molltonarten. Die Komposition eines Klavierzyklus aus 24 Stücken drückte die Absicht aus, die Tradition Bachs mit einer neuen Vision und einem neuen Klang im 20. Jahrhundert wiederzubeleben.

Die Grundlage meines B-A-C-H-Projekts bildete die Verbindung zwischen diesen beiden Klavierzyklen, und mich versetzte in Erstaunen, wie viele Gemeinsamkeiten diese Kompositionen teilen, obwohl sie etwa 200 Jahre auseinander geschrieben wurden. Ich untersuchte die Stücke mit den gleichen Tonalitäten und analysierte nicht nur die Ähnlichkeiten, sondern auch die Gegensätze. Allmählich entdeckte ich eine sehr markante Verknüpfung zwischen den Stücken in den Tonalitäten b-Moll, a-Moll, C-Dur und h-Moll, was in der ursprünglichen deutschen Notation die berühmte Silbenkombination B-A-C-H ergibt. Beim Spielen und Analysieren der gewählten Präludien und Fugen spürte ich ihre starke philosophische Wirkung auf mich. Die vielen Stimmen in den Fugen und die Eindringlichkeit der Präludien schufen eine klare Struktur, jedoch eine, die oft ziemlich düster und introvertiert war. Hier entschloss ich mich, einige der in den gleichen Tonarten geschriebenen Études von Chopin hinzuzufügen. Mit ihren langen harmonischen Linien bildeten diese Stücke die vollkommene Ergänzung zur strengen Struktur der Präludien und Fugen. Chopin war das fehlende Verbindungsglied, das mir geholfen hat, alle Stücke zu vereinen und ein Konzertprogramm und auch eine CD-Einspielung zu erstellen.

– Dora Deliyska
Schema
Programm
B

J. S. Bach – Prelude Nr.12, BWV 867, in B-flat minor
D. Schostakowitsch – Prelude Nr. 16, in B-flat minor
J. S. Bach – Fugue Nr.12, BWV 867, in in B-flat minor
D. Schostakowitsch – Prelude Nr. 21, in B-flat major
D. Schostakowitsch – Fugue Nr. 21, in B-flat major

A

J. S. Bach – Prelude Nr. 20, BWV 889, in A-minor
D. Schostakowitsch – Prelude Nr.2, in A-minor
D. Schostakowitsch – Fugue Nr.2, in A-minor
F. Chopin – Etude Nr.4, op. 25, in A-minor
F. Chopin – Etude Nr.11, op. 25, in A-minor

C

D. Schostakowitsch – Prelude Nr.1, in C-major
D. Schostakowitsch – Fugue Nr.1, in C-major
J. S. Bach – Prelude Nr.1, BWV 846, in C-major
F. Chopin – Etude Nr. 1, op.10, in C-major
F. Chopin – Etude Nr. 12, op.25, in C-minor

H

D. Schostakowitsch – Prelude Nr.6, in B-minor
J. S. Bach – Prelude Nr.24, BWV 869, in B-minor
J. S. Bach – Prelude Nr.24, BWV 893, in B-minor
F. Chopin – Etude Nr. 10, op. 25, in B-minor

CD