Alles Walzer, einmal anders!

Beschreibung

Der Walzer ist ein simpler Tanz mit einem geschmeidigen Bewegungsablauf, der sich durch eine klare Struktur und einen ganz bestimmten Rhythmus auszeichnet – den Dreivierteltakt.

In meinem Projekt „Alles Walzer, einmal anders!“ habe ich versucht, eine komplexe Struktur rund um die Schlichtheit dieses Tanzes zu schaffen. Alle Stücke, die dieses Programm enthält, stehen in enger Verbindung zum Walzer – durch ihren Namen, ihren Rhythmus oder ihr Klangbild. Und dennoch hat jedes seine ganz individuelle Struktur und erzeugt seine eigene Gefühlswelt. Allen Stücken gemein ist der unverkennbare Walzerrhythmus, der vom Anfang bis zum Ende des Programms für eine klare musikalische Linie sorgt.

Die erste Assoziation zum Thema Walzer – und vermutlich auch die gängigste – ist der Wiener Walzer. Dabei schwebt das elegant gekleidete Tanzpaar anmutig im Rhythmus des Dreiachteltaktes über das Parkett. Der Ausruf „Alles Walzer“ ertönt, bevor das Paar die Tanzfläche betritt und markiert den Anfang des Walzers. Es ist dieser kurze Augenblick, in dem die Erwartung zur Handlung wird, die Stille in die Musik übergeht.

Den zweiten Teil des Titels „einmal anders“ bezeichne ich gern als „unkonventionellen Walzer“. Dort präsentiere ich Stücke von Komponisten wie György Ligeti, Béla Bártok, Claude Debussy und Maurice Ravel, deren Namen nicht sofort mit dem Begriff des Walzers assoziiert werden. Sie befreien diesen eleganten Tanz jedoch von seiner stereotypen Perspektive und präsentieren ihn als modern, impressionistisch, provokant und orchestral.

Das symbolträchtige Stück „La Valse“ von Maurice Ravel stellt den emotionalen Höhepunkt dieser CD dar und markiert den krönenden Abschluss des Programms. Die komplexe Struktur des Stückes gilt für mich am Anfang als Inbegriff des Walzers, während sich am Ende alles zu einer Szenerie von Leid, Schmerz und Schrecken entwickelt.

Ravel schrieb das Stück nach dem Ersten Weltkrieg, und obwohl es keine Beweise für einen Bezug auf die damalige Lage in Europa gibt, kann man gut die Stimmung und Verzweiflung nachvollziehen, die zu dieser Zeit in der Welt herrschte. Und genau das ist für mich eine der großartigsten Eigenschaften der Musik: Sie ist ein Spiegel unserer Wirklichkeit, unserer Geschichte, unserer Träume und unserer Sehnsüchte.

– Dora Deliyska

© Juan Carlos Villarroel